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Amin Oussar und Malte Burkert haben CAST ME gegründet. (Foto: CAST ME GmbH)

CAST ME macht Casting-Bewerbungen einfach und digital

Wer eine Karriere als Schauspieler*in in Film und Fernsehen anstrebt, der kommt an Castings gerade am Anfang nicht vorbei. Doch auch in heutigen Zeiten ist die Digitalisierung in diesem Bereich noch nicht so richtig angekommen, meinen Amin Oussar und Malte Burkert.

Deswegen haben die beiden mit CAST ME eine Mobile-App entwickelt, mit der sich angehende Darsteller*innen ganz einfach digital bewerben können.

Im Interview stellen die beiden Euch Ihre Idee vor.

CAST ME: Per Mobile App die Schauspiel-Karriere starten

Was genau ist die Idee hinter CAST ME?

Amin Oussar: Castings sind die Türöffner zur Film- und Fernsehwelt. Man mag es kaum glauben, aber bisher gibt es keine wirklichen Online-Casting-Lösungen für Jedermann – und schon gar nicht als Mobile App. 

Malte Burkert: Genau. Egal, ob ich gerade unterwegs bin oder nicht viel Zeit habe: Mit CAST ME kann ich mich als Statist oder Darsteller:in bewerben. Entweder bei Casting-Firmen oder direkt bei der Filmproduktion. Ich bekomme neue Angebote per Push-Nachricht, kann direkt mit den Caster:innen chatten und bin immer auf dem aktuellen Stand.

Und auch für die „Suchenden“ Caster:innen, Producer:innen, Agenturen, Filmproduktionen und alle Medienschaffenden eröffnen wir flächendeckend die Möglichkeit, Rollen mit neuen Gesichtern zu besetzen. 

Wie ist die Idee entstanden?

Amin: Ich arbeite bei der FYNAL GmbH, der größten Werbefilmproduktion des Ruhrgebiets. Die zu besetzenden Projekte können unterschiedlicher nicht sein: Mal benötigen wir ausgebildete Schauspieler:innen, mal zwanzig Statist:innen, mal sehr “spezielle“ Kleindarsteller:innen. 

Es nervt, jedes Mal die Plattform wechseln zu müssen, wobei es gerade für Statist:innen keine echte Plattform gibt. Und wenn man dann noch für das gleiche Projekt Influencer:innen oder Models besetzen will – dann ist Schluss. Daher entstand die Idee aus einem Problem, das bundesweit, wenn nicht sogar weltweit besteht.  

“Nach nur knapp sechs Wochen hatten wir über 1.000 Anmeldungen und pro Casting durchschnittlich 20 Bewerbungen”

Amin Oussar, CAST ME

Ursprünglich wollten wir die App exklusiv nur für uns selbst entwickeln. Wir hatten also gar nicht vor, mit CAST ME an die Öffentlichkeit zu gehen. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie schnell sich so etwas rumspricht. Nach nur knapp sechs Wochen hatten wir über 1.000 Anmeldungen und pro Casting durchschnittlich 20 Bewerbungen.

Da die App von Anfang an datenschutzkonform entwickelt wurde, war es letztendlich naheliegend, CAST ME der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Wann stand für Euch fest, dass Ihr aus dem Projekt ein Unternehmen gründet und wie geht man als Agentur damit um?

Malte: CAST ME validierte sich als Business Modell unfassbar schnell. Nachdem wir die Besetzung einer WDR Serie digitalisierten, folgten recht schnell Anmeldungen großer Caster:innen und Besetzungs-Agenturen. Daher war es nur logisch, dass wir Ende letzten Jahres die CAST ME GmbH gründeten – übrigens ein Joint Venture der FYNAL GmbH sowie der WAPP GmbH.

Innerhalb der Filmproduktion sind alle überaus glücklich, dass es nun eine In-House Casting Lösung gibt. Und CAST ME profitiert davon, Feedback aus erster Hand zu erhalten. Das ermöglicht uns nämlich, neue Funktionen in kürzester Zeit zu testen und Fehler schneller zu beheben. 

Niemand hätte gedacht, wie herausfordernd es sein kann, Feedback von den Nutzer:innen zu erhalten. Heutzutage gewöhnt man sich schnell an digitale Werkzeuge. Man vergisst, wie sehr man mit dem eigenem Feedback die Plattform mitgestalten kann. Diese Synergie ist einer unserer wichtigsten Treiber.

“Niemand hätte gedacht, wie herausfordernd es sein kann, Feedback von den Nutzer:innen zu erhalten.”

Malte Burkert, CAST ME

Erzählt was über die Agentur, die dahinter steckt. Worauf seid Ihr spezialisiert? Ist das Eure erste Ausgründung?

Malte: Die CAST ME GmbH ist ein spannendes Abenteuer von zwei jungen und erfolgreichen Unternehmen: Die FYNAL GmbH ist die größte Filmproduktion des Ruhrgebiets und spezialisiert auf Branded Entertainment. Für die zahlreichen Produktionen namhafter Kunden gab es immer wieder das Problem, neue Talente zu finden, die sich vor die Kamera wagen möchten.

Die WAPP GmbH ist eine Digitalagentur aus Bielefeld und Dortmund, die sich auf die Konzeption, das Design und die Entwicklung von digitalen Applikationen spezialisiert hat. 

Unsere erfolgreiche Zusammenarbeit liegt mitunter daran, dass wir bereits 2018 i.A. des Schulministeriums NRW eine App entwickelt haben, die Schüler:innen & Lehrer:innen den Einstieg in die Filmsprache erleichtert. „Top Shot“ wurde im selben Jahr mit dem Comenius EduMedia Siegel im Bereich Didaktische Medienkompetenz ausgezeichnet.   

Was ändert sich mit Eurer App jetzt für die Casting-Branche?

Amin: Zwei gravierende Änderungen der Casting-Branche haben wir bereits erfolgreich umgesetzt: Zum einen kann man sich bei uns mit einem kostenlosen Profil bei bezahlten Projekten bewerben. Allein das war bisher nicht möglich und wird ganz sicher Marktbegleiter zwingen, ihre fragwürdigen Preismodelle zu überdenken.

Und weil unsere App nicht bloß die App-Version einer Webseite ist, sondern eine echte und zeitgemäße Applikation, kann man jetzt erst davon sprechen, dass Ausschreibungen direkt in Echtzeit auf den Endgeräten potenzieller Bewerber:innen ausgespielt werden.

Doch das ist erst der Anfang: Dieses Fundament gibt uns nun die Möglichkeit, Funktionen und ein völlig neues Casting-Erlebnis zu entwickeln. Sprich, über eine einfache Datenbank hinaus. Wir sind gerade im intensiven Austausch mit Verbänden und Branchen-Expert:innen und hoffen, dass die gesamte Casting-Branche zukünftig offen mit ihren APIs (=Schnittstellen) umgeht. 

Bisher scheinen wir hier die Einzigen zu sein, die an offenen APIs interessiert sind – viele andere konzentrieren sich leider ausschließlich auf ihre Datenbank und liefern sich untereinander Grabenkämpfe. Am Ende verlieren leider nur die, die davon Leben, vor der Kamera zu stehen. Sollten sich also unsere Vorhersagen bewahrheiten, so könnte unsere App die gesamte Casting-Branche revolutionieren.

Welche Herausforderungen bringt denn so eine digitalisierte Form des Castings mit sich und wie geht Ihr damit um?

Amin: Die wohl größte Herausforderung ist unsere sehr spezielle Vermittler-Position zwischen den Menschen vor und hinter der Kamera. 

“Wir wollen, dass Castings zukünftig fairer bezahlt und gleichberechtigt besetzt werden.”

Amin Oussar, CAST ME

Ein Beispiel: Wenn Castings schlecht bezahlt sind oder sich die Caster:innen aus verschiedenen Gründen nicht bei den Bewerber:innen melden, dann sind wir die erste Anlaufstelle. Kritik, für die wir somit häufig nichts können, landet dennoch bei uns. Aber das ist auch gut so. Wir wollen ja die Caster:innen entlasten. 

Und wir wollen, dass Castings zukünftig fairer bezahlt und gleichberechtigt besetzt werden. Daher sehen wir es als Pflicht, jede noch so kleine Kritik ernst zu nehmen und offenen damit umzugehen. Wir arbeiten z.B. intensiv an Umfragen, um Probleme besser gewichten zu können. 

Des Weiteren möchten wir eine Transparenz schaffen in Form von anonymen Metriken, die wir an Verbände übermitteln, damit diese die Branche besser und in Echtzeit einschätzen können.  

Welchen Impact wünscht Ihr Euch, den Eure App bewirkt?

Amin: Ich wünsche mir, dass schon bald jeder schnell und einfach als Statist:in oder Kleindarsteller:in gebucht werden kann, der einen spannenden Nebenverdienst sucht. Und ich hoffe, dass sich Menschen zukünftig nicht mehr davor grauen, entweder an einem Casting teilzunehmen oder einen Casting-Aufruf zu starten. 

Mit dieser Vision stehen wir nicht allein da: Bisher habe ich niemanden antreffen können, der mit seinem Workflow wirklich zufrieden ist. Wir werden zwar die Branche nicht von heute auf morgen in Form eines lauten „Impacts“ umhauen, aber die Veränderung in den Köpfen findet bereits jetzt schon statt. 

Geschrieben von
Carmen Radeck

Hi, ich bin Carmen, Gründerin von RuhrGründer.

Seit mehr als zehn Jahren bin ich als Journalistin im Ruhrgebiet unterwegs und unterstütze Entrepreneur*innen bei Storytelling, Content Marketing und PR.

Als leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene Ruhr rief ich Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet oder Female Founders Ruhr mit ins Leben. Mein aktuelles Projekt ist der Podcast „The Story behind“.

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Wer schreibt hier?

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